Elternbrief vom 21.04.2020

Vierter Elternbrief zur aktuellen Situation während der Schulschließungen


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Frau Dr. Susanne Eisenmann, hat heute ein weiteres Schreiben zur Corona-Pandemie und zu einer schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass ab dem 04. Mai 2020 zuerst die Kursstufe der allgemeinbildenden Gymnasien und die Klassenstufen 9 und 10 der Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen in ausgewählten Fächern unterrichtet werden. Ein Unterricht in den Jahrgangsstufen 9 und 10 der allgemeinbildenden Gymnasien ist nicht vorgesehen. Der Prüfungszeitraum für den Abiturjahrgang 2020 beginnt am 18. Mai dieses Jahres. Ich gehe deshalb davon aus, dass mindestens bis zu diesem Tag kein Präsenzunterricht am Progymnasium, sondern weiter Heimarbeit stattfinden wird.
Sicher befinden Sie sich in diesem ungewöhnlichen Zeitraum der Heimarbeit in regem Austausch mit anderen Eltern, deren Kindern, Lehrkräften anderer Schulen usw. und erfahren dabei, wie dieser Ausnahmezustand anderswo gehandhabt wird. Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl an Angeboten zum digitalen Unterrichten. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns auf eine geringe Zahl an Medien, die wir nutzen wollen, verständigt haben. Wir tun dies auch in Ihrem und im Interesse Ihrer Kinder. Nicht nur wir stellen fest, dass auch in Zeiten der Digitalisierung längst nicht alle Haushalte über die erforderlichen Endgeräte verfügen und deren Handhabung beherrschen. Auch der Umgang mit neuer Software, die Anmeldung auf Plattformen u. ä. bereitet immer wieder Probleme. Die Chancengleichheit kommt dabei ein Stück weit unter die Räder. Nicht von ungefähr konnten Sie in meinem letzten Brief lesen, dass von den bisherigen drei Wochen E-Learning keine Leistungsmessungen durchgeführt werden dürfen. Hinzu kommt, dass viele der derzeit beworbenen und häufig im privaten Bereich schon genutzten Angebote Sicherheitslücken besitzen, Fremdinhalte wie Werbung und jugendgefährdende Dinge auftauchen können und die datenschutzrechtlichen Vorgaben vielfach in keinster Weise beachtet werden.

Ich kann Sie deshalb nur bitten, Vertrauen in unsere Auswahl der verwendeten Medien zu haben und zu verstehen, dass die Grundinhalte der Arbeitsaufträge in möglichst einfacher Form sein müssen. Filme, Online-Spiele u. a. können nur freiwillige Zusatzmaterialien sein. Videokonferenzen dürfen nicht das ausschließliche Medium für neue Unterrichtsinhalte sein, weil viele gar nicht in der Lage sind, daran teilzunehmen. Die Inhalte müssen vornehmlich über die anderweitigen Materialien erschlossen werden, die Videokonferenz kann dann dazu dienen Fragen zu beantworten und Unklarheiten nochmals zu klären.

Angesichts der Tatsache, dass die meisten Schulen des Landes im Bereich des digitalen Unterrichtens von „Null auf Hundert“ hochfahren mussten, bitte ich Sie auch um Verständnis, dass unsere Lehrkräfte sich nicht mit einer Unzahl von Programmen und Anbietern auseinandersetzen können. Das digitale Unterrichten, die Aufarbeitung des benötigten Materials, die Handhabung der verwendeten Applikationen – oft mehrere parallel, um zu gewährleisten, dass alle Materialien und Arbeitsaufträge ankommen -, die Beantwortung von Rückfragen, das Einholen von Rückmeldungen bei Eltern und Schülern, das Korrigieren von gesendeten Hausaufgaben usw. bedeutet einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand. Viele Lehrkräfte betreuen gleichzeitig dazu ihre eigenen Kinder.

Es stellt für uns sicher kein Problem dar, Ihrem Kind/ Ihren Kindern Zusatzaufgaben zur Verfügung zu stellen, falls es gewünscht ist. Erwarten Sie aber von uns keine multimedialen Feuerwerke.
Zu der Frage, wie Personen, die einer Risikogruppe angehören, mit der schrittweisen Wiederöffnung der Schulen umgehen sollen, äußert sich das Kultusministerium folgendermaßen:
„Personen, die Risikogruppen angehören, werden geschützt. Lehrkräfte, die aufgrund ihres Alters, von Vorerkrankungen oder einer Schwangerschaft eben diesen Risikogruppen angehören, werden vorerst nicht vor Ort in der Schule eingesetzt. Das gilt ebenso für Schülerinnen und Schüler, die selbst oder deren Eltern, Geschwister oder weitere im Haushalt lebende Personen zu Risikogruppen gehören. Wenn diese den Schulen unbürokratisch und ohne Attest melden, dass ihr Kind aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule gehen kann, müssen sie nicht in die Schule kommen. Die Versorgung mit Unterrichtsmaterialien kann dann von den Lehrkräften übernommen werden, die weiterhin von zu Hause ihren Dienst versehen. Gesundheitsschutz geht vor.“ (Aus: km-bw.de/,Lde/Startseite/Ablage+Einzelseiten+gemischte+Themen/FAQS+Schulschliessungen, Stand: 21.04.2020, 13.30 Uhr).

Vermutlich haben Sie auch schon der Tageszeitung oder dem Internet entnommen, dass das Kultusministerium bezüglich der Versetzungsentscheidungen erste Informationen herausgegeben hat: „Grundsätzlich werden die Versetzungsentscheidungen auf der Grundlage der Noten im Jahreszeugnis getroffen. Da die Leistungsbewertung allerdings in den letzten Wochen ausgesetzt wurde und auch in der kommenden Zeit nur sehr stark eingeschränkt möglich sein wird, werden alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich ins nächste Schuljahr versetzt. Die Schülerinnen und Schüler dürfen keinen Nachteil aus der aktuellen Situation haben. Über die konkrete Ausgestaltung dieser Entscheidung und Möglichkeiten zur Umsetzung werden wir noch einmal gesondert informieren.“ (Aus: s. oben)
Der letzte Satz ist dabei aber mit Vorsicht zu genießen. Eine grundsätzliche Versetzung schließt immer noch die Möglichkeit einer Versetzung auf Probe mit ein. Diese Variante hat Bayern gewählt. Das bedeutet, dass ein Schüler/ eine Schülerin, der/ die nach dem Gesamtleistungsbild aus der laufenden Klasse nicht versetzt wäre, im neuen Schuljahr nach einigen Wochen eine Prüfung in den Fächern ablegen müsste, die mangelhaft oder schlechter sind. Die Leistungen in diesen Prüfungen müssen dann so sein, dass mit diesen Noten die Versetzung möglich wäre. Diese Hintertür lässt sich das Kultusministerium mit dem letzten Satz „Über die konkrete Ausgestaltung …“ offen.

Bei Fragen zur aktuellen Situation dürfen Sie sich gerne bei mir melden.

Herzliche Grüße
Stephan Maulbetsch, Schulleiter

21.04.2020

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